ALPIKA 2025 – Wahrnehmungen, Herausforderungen, Perspektiven

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Zur Stärkung und verlässlichen Fundierung der Arbeit der ALPIKA-Institute

Die Tagung aller ALPIKA-Institute in Haydau im April 2016 hat insgesamt eine positive und stärkende Wirkung für weitergehende gemeinsame Initiativen der Institute erzeugt. Ein Prozess mit zahlreichen inhaltlichen und auch strukturellen Anregungen hat begonnen. Dabei entspricht die Formulierung des Tagungstitels „DIE VIELFALT RELIGIÖSER BILDUNG IN VERÄNDERTEN LEBENSWELTEN EINER DIGITAL GEPRÄGTEN GESELLSCHAFT“ der Bandbreite der bestehenden Herausforderungen in der Großwetterlage der Institute.

Zur Weiterführung des mit der Haydauer Tagung begonnenen Prozesses stellt der GA der ALPIKA hiermit weitere Impulse für eine institutsübergreifende Zusammenarbeit zur Diskussion. Sie sollen dazu anregen und ermutigen, thematische Herausforderungen für die Bildungsverantwortung und die konkrete Bildungsarbeit in und zwischen den Instituten strukturiert aufzunehmen und weitere gemeinsame Formen der Bearbeitung zu finden. Nach der Haydauer Tagung haben sich bereits Initiativen und Kooperationen gebildet wie zum Beispiel eine Initiative zum Interreligiöses Lernen (Studientag im Januar 2017, weiterer Studientag in Planung) oder die AG Online Lernen an den ALPIKA-Instituten.

Als Leitidee für die weiteren Überlegungen orientieren wir uns an der „Kommunikation des Evangeliums“. Unser Augenmerk liegt darauf, dass Menschen in Prozessen und Initiativen als sich selbst bildende Menschen gestärkt werden. Eine zentrale Herausforderung der Religionspädagogik ist dabei, Religion als Lebensdimension erfahrbar zu machen und über sie sprachfähig zu werden. Den Instituten fällt die Aufgabe zu, Bildungsakteur/innen in Kirche, Gemeinde, Schule und anderen Kontexten situationsgerecht und aktuell dazu zu befähigen und zu begleiten. Die Arbeit der Institute orientiert sich an der daraus erwachsenen Dynamik. Dadurch entstehen immer wieder neue Herausforderungen hinsichtlich ihrer Profile, Angebote und Arbeitsweisen.

Gegenwärtige Wahrnehmungen und Herausforderungen

Aus der Fülle der Herausforderungen, ihrer Veränderungsdynamik und ihrer Komplexität, benennen wir im Folgenden einige exemplarische Themen mit Wahrnehmungen aus der Arbeit und damit zusammenhängende Fragen:

1. RELIGIÖSE UND KULTURELLE VIELFALT

Eine Erzieherin möchte für ihre Kindertageseinrichtung, die von Kindern mit sehr unterschiedlichen religiösen Hintergründen besucht wird, einen interreligiösen Festkalender erstellen und fragt nach, wie die verschiedenen Feste...

2. RELIGIÖSE PLURALITÄT IN BILDUNGSSYSTEMEN

Ein Religionslehrer sieht die wachsende Heterogenität in seinen Lerngruppen und steht den damit verbundenen Konflikten manchmal hilflos gegenüber. Er ist auf der Suche nach Beratung und Fortbildung,...

3. KONFESSIONSLOSIGKEIT ALS ZUNEHMENDE MARKIERUNG VON LEBENSWELTEN

Nach Einschätzung von Lehrkräften verfügen Schüler/innen im Religionsunterricht an einem Gymnasium über immer weniger religiöses (Grund-)Wissen. Bildungsverantwortliche nehmen als zunehmende Herausforderung wahr, dass in den verschiedenen Settings...

4. WANDEL VON RELIGION UND IHRE AUSWIRKUNG AUF KIRCHLICHES BILDUNGSHANDELN

In einer Fachschaft für Ev. Religionslehre kommt die Diskussion auf, ob es nicht sinnvoll wäre, zu jedem Curriculums-Abschnitt mit einem Film einzusteigen: Die meisten christlichen Traditionen finden...

5. PLAUSIBILISIERUNGSDRUCK FÜR RELIGIÖSE BILDUNG IN DEN VERSCHIEDENEN ARBEITSFELDERN

Ein Religionslehrer schildert, er habe mit seiner Lerngruppe im Religionsunterricht eine kleine und engagierte Schülergruppe. Fragen der Religion hätten aus Sicht der Schülerinnen und Schüler im gesellschaftlichen...

6. DIGITALISIERUNG DER LEBENSWELT

Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen müssen realisieren, dass sie aktuelle, Kindern und Jugendlichen vertraute mediale Angebote (z.B. Film, Musik, Internetforen) nicht kennen, und fragen sich, wie sie hier...

7. ÖKONOMISIERUNG UND BÜROKRATISIERUNG DER LEBENSWELT, NICHT NUR VON BILDUNG

Eine Mitarbeiterin einer Gemeindegruppe beklagt, dass es inzwischen auch in der Kirche meist nur noch um Geld und strategisches Handeln geht, und spürt den Druck, mit immer...

8. BILDUNGSGERECHTIGKEIT

Die Leiterin einer Kindertagesstätte beobachtet ebenso wie manche Schulleitungen zunehmend prekäre Lebenslagen bei Kindern und Jugendlichen. Das zeigt sich am fehlenden Pausenbrot wie am Unvermögen, sich die...

9. INDIVIDUALISIERUNGSDRUCK UND PROZESSE EINER DE-INSTITUTIONALISIERUNG

Eine Religionslehrkraft wird in der Schule immer häufiger mit seelsorglichen Anliegen konfrontiert, auf die sie gerne professionell eingehen möchte. Dazu fühlt sie sich derzeit allerdings nicht ausreichend...

10. INKLUSION

Erzieherinnen, Religionslehrkräfte und Verantwortliche der Konfirmandenarbeit möchten gerne inklusiv arbeiten, stehen dabei jedoch vor großen organisatorischen, didaktischen und methodischen Herausforderungen und suchen Anregungen, Beratung und Unterstützung. Fragen:...

Anstehende Aufgaben und Perspektiven

In den Religionspädagogischen bzw. Pädagogisch-Theologischen Instituten und im Rahmen des Comenius Instituts sind diese Wahrnehmungen virulent:

  • Die Institute sind Resonanzräume für die beschriebenen gesellschaftlichen, religiösen wie kirchlichen Veränderungen, in denen Antworten gesucht und gestaltet werden.
  • Die Angebote der Institute fungieren als Orte der Wahrnehmung, der Analyse und der Deutung sowie der Unterstützung.
  • Die Institute sind wichtige Transferstellen zwischen Wissenschaft und Praxis sowie für die Bereitstellung geeigneter Wahrnehmungs-, Deutungs- und Handlungsmuster bei der Bewältigung der lokal höchst differenten Anforderungssituationen und ihrer steigenden Komplexität.

Aus diesem Grund wollen wir dazu anregen, das Potenzial unserer Kooperationen weiterzuentwickeln. Wir geben einige Impulse zu einer weitergehenden Diskussion der genannten Herausforderungen in den Instituten:

  • Wie lassen sich ein weiterführender Austausch und eine Nutzung der bereits vorhandenen Expertise zwischen den Instituten organisieren? Die Erfahrungen in Haydau mit dem in Form eines Marktplatzes organisierten Austauschs schwingen dabei positiv mit. Es besteht ein hohes Interesse an Information und Gespräch darüber, wie in einzelnen Instituten mit aktuellen Herausforderungen umgegangen wird und wie der Austausch vorhandener Expertise gestärkt werden kann (z.B. durch wechselseitige Einladungen).
  • Die Institute benötigen weiterführende wissenschaftliche Expertise, um die genannten Herausforderungen sachgemäß aufnehmen zu können. Wie können wir diese anregen und organisieren?
  • Es bedarf einer Stärkung und Ausweitung bestehender Ressourcen, einer Weiterqualifizierung des Personals und einer öffentlichkeitswirksamen Aufstellung der Arbeit der Institute, gerade auch in kooperativen Vorhaben und in der gemeinsamen Vertretung von Interessen in kirchlichen Entscheidungsprozessen.
  • Es bedarf einer verlässlichen Fundierung und einer zukunftsfähigen Gewährleistung der Arbeit der Institute als Beitrag zur Gestaltung zukunftsfähiger Entwicklungen von Kirche.
  • Notwendig ist der Diskurs mit unterschiedlichen und vielfältigen (zivil)gesellschaftlichen Akteur/inn/en in der Wissenschaft sowie in Aus-, Fort- und Weiterbildung zur Herstellung von Scharnieren zwischen zivilgesellschaftlichen Entwicklungen und der Arbeit der Institute.

Die religionspädagogischen Institute und das Comenius Institut beteiligen sich mit ihren Beiträgen zur Mitgestaltung der unterschiedlichen Prozesse der Bildungsverantwortung in einer pluralen Gesellschaft am kirchlichen Auftrag der „Kommunikation des Evangeliums“. Die Erfüllung dieses Auftrages geschieht in Aufnahme der gesellschaftlichen Veränderungen sowie der konkreten Herausforderungen der Bildungsverantwortlichen. Die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse erfordern eine ständige Reflexion der Antwortkultur incl. der Wahrnehmung der Aufgaben sowie eine – möglichst vernetzte – Weiterentwicklung der Arbeit.

Eine Bündelung von Initiativen und weiteren Impulsen wollen wir mit einer zweiten gemeinsamen Tagung im Jahr 2020 organisieren, auch im Blick darauf, dass die angesprochenen Perspektiven darüber hinaus reichen („ALPIKA 2025“).

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